Die Verhaftung des Königs

Ein sonniger Morgen in der schönsten Kleinstadt der Welt. Ein Sonnenstrahl scheint auf die königliche Nase des obersten Souverän des einzig wahren Königreiches und weckt ihn sanft aus seinen feuchten Träumen:

„…sämtliche Nobelpreise dieses Jahres und der folgenden Jahre gehen an den Menschensohn des Horstes und der Erika, dem Herrscher des Universums…“
„Danke, danke… Wir haben es auch verdient …“ 

Er öffnet die Augen und schaute sich kurz verwirrt um.
„Oh, doch nur ein Traum. Nein dies war sicher eine Vision, eine Prophezeiung, ein Vorgeschmack des Unausweichlichen.“
Er steigt aus dem Bett, zieht sich den Tiegertanga zurecht, ordnet die Kronjuwelen  und läuft zum Fenster.
„Was für ein schöner sonniger Tag. Königliches Kaiserwetter Uns zu Ehren. Was heißt Uns zu Ehren. Sind Wir heute wieder bescheiden. Wir haben das Wetter ja selbst gemacht mit Unseren magischen Fähigkeiten.“
Doch etwas stimmt nicht. Irgendetwas ist anders als sonst. Mehrere Fahrzeuge nähern sich, unbemerkt von der nicht vorhandenen königlichen Garde, der Residenz des zukünftigen Königs aller deutscher Deppen. Aber dem Menschensohn des Horstes entgeht nichts. Ungewöhnliche Vorgänge spielen sich da draußen ab. Menschen hier am Hofe des Märchenschlosses mit dem königlichen Namen „Am Bahnhof 4“? Um diese Zeit?
‚Sind denn heute Seminare?‘, überlegte der König angestrengt. Nein, nicht dass er wüsste. Aber vielleicht ist ja wieder Vision wird Tat. Nein, auch das kann nicht sein. Dann wäre er ja nicht hier, wenn es nach körperlicher Arbeit riecht. Da bleibt nur noch eine Möglichkeit. Das Königreich wird angegriffen.
„ALARM!“, schreit Peter. „Die königliche Garde sofort auf Gefechtsstation. Schütz euren König!“ In Erwartung des Trubels der aufkommen sollte, wenn hunderte Beschützer des Königreiches aufgeregt ihre Posten besetzen und seine Leibwächter sich schützend um ihn stellen, horchte er und hörte außer dem Zirpen einer Grille nichts.

Mit einem lauten „Ihr bekommt Uns nie!“ flieht Peter nun hektisch aus dem Schlafgemach ins Badezimmer und musste verwundert feststellen: „Huch, Wir haben eine Dusche?“
Egal, er lässt sich davon nicht weiter verwirren und setzt zum Sprung aus dem Fenster an. Im Flug murmelte er noch schnell die Worte: „Bei der Macht Unserer Gedanken, Fenster öffne dich!“ Rums! Mit lautem Krachen wird er zurückgeworfen. Hat wohl nicht geklappt, doch schnell erkennt er die Ursache. Vor dem Fenster stehen schon mehrere Schergen des Feindes und schauen teils verwundert zu Peter. Klar, wenn jemand hinschaut, dann funktionieren seine übermenschlichen und magischen Fähigkeiten leider nicht. Diese Hinterhältigkeit ist doch typisch für das verhasste System. Die wissen das genau und nutzen dies schamlos aus.
Doch Peter wäre nicht Peter, wenn er nicht sofort einen neuen Fluchtplan parat hätte. „Wir zeigen es denen! Unsere überragende Intelligenz und Unser umfangreiches Wissen von was auch immer werden am Ende siegen. Haha, Wir werden das Fenster mit Unseren Händen öffnen. Damit rechnen die nie.“ Gesagt und getan. Er öffnet – oh ein Wunder, was für eine eine göttliche Tat – das Fenster am Drehgriff mit der bloßen Hand, setzt erneut zum Sprung an und bleibt mit seinem Zopf an einem Nagel im Fensterrahmen hängen. Dieser wurde ohne besondern Sinn vom Bauteam des Königreiches eingeschlagen und war deswegen nicht sonderlich stabil. So löste er sich und der König stürzte genau vor die Füße der feindlichen Staatsmacht. Sofort wurde er von gefangen genommen und abgeführt.
„Das wird nicht ohne Folgen bleiben.“, schimpft Peter. „Unser treues Gefolge wird jeden Moment hier sein und Uns befreien. Wir spüren sie schon kommen. Habt Angst! Noch könnt ihr fliehen.“

Zur gleichen Zeit beim treuen Gefolge in den verdunkelten Gemächern des Zwergenhauses: „Grrrrr…schnarch…“

Das undenkbare war geschehen. In einer Nacht und Nebel… ähm… Morgen und Sonne Aktion wurde der zukünftige Herrscher der Welt überwältigt und zum Haftprüfungstermin chauffiert. Doch hier kommt seine große Chance. Hier wird er beweisen, welch überragendes Wissen der Rechtskunde er besitzt. Die Richterin kann nur eine Entscheidung treffen und ihn wieder auf freien Fuß setzen. Das wird er ihr unmissverständlich klar machen.

„Sehr geehrte Frau Richterin, Wir protestiere auf Schärfste gegen diese Ungerechtigkeit. Alles was Wir tun ist legal. Noch nie saßen Wir auch nur einen Tag im Gefängnis. Wir werden ihnen dies in den nächsten Stunden erläutern und Wir sind sicher, dass Sie Unseren Argumenten folgen werden. Wäre ja schade, wenn Wir sie sonst verhaften müssten. Doch beginnen Wir von vorn. Am Anfang schufen Wir an der Seite Unseres Vaters Horst den Himmel und die Erde…. [ticktack ticktack] … so ist es völkerrechtlich völlig legitim, das aus einem Verein automatisch ein Staat ensteht… [ticktack ticktack]… in nur einer Nacht schrieben Wir eine Verfassung… [ticktack ticktack] … somit trifft Uns keinerlei Schuld, sondern ich betone nochmals das alles Benjamin seine Idee war …. [ticktack ticktack] … Lassen sie Uns nun zum Schluss kommen. Doch vorher wollen wir ihnen noch erläutern, dass sämtliche Fluggesellschaften, Busunternehmen und Reiseveranstalter bereits erkannt haben, dass Wir persönlich ein eigener Staat sind und somit unantastbar … [ticktack ticktack] … wie sollten Wir sonst Unseren eigenen Führerschein drucken können, wenn wir kein Staat wären … [ticktack ticktack]… somit haben Wir überzeugend dargelegt, dass Wir im Recht sind und werden jetzt gehen. Wir danken für die Aufmerksamkeit und wünschen noch einen angenehmen Abend. Auf Wiedersehen.“

Sprach es, drehte sich zur Tür und setze an zum Gehen. Doch völlig überraschend hörte er die Worte der Richterin: „In den Knast mit ihm!“
„Das werden sie bereuen. Mein treues Staatsvolk, meine bemitleidenswerten Staatsan- und zugehörigen werden alle Hebel in Bewegung setzen und mich befreien. Sie sind sicher schon längst eifrig bei Arbeit. Die Aktion „Freiheit für den König“ wird bereits auf vollen Touren laufen. Ziehen sie sich warm an!“

Zur selben Zeit im Zwergenhaus des Königreiches. Es ist bereits später Nachmittag.

„Gähn…moin…was gibt es zum Frühstück?“
„Keine Ahnung. Vielleicht ist ja noch Toast da.“
Plötzlich kam Marco aufgeregt ins Zimmer.
„Leute! Unglaublich! Habe gerade jemanden vom Bauteam getroffen und der hat erzählt…“
„Was? Vom Bauteam? Ist schon wieder Vision wird Tat?“
„Ähm nein, aber das dachte ich auch erst. Zumal Peter nirgends zu sehen ist.“
„Puh, Peters Vater sei Dank. Auf Arbeit hätte ich jetzt wirklich keinen Bock.“
„Ne ich auch nicht. Aber was wollte ich eigentlich sagen. Egal… oh, ist ja noch Toast da… lecker schon fertig mit Aufstrich. Was ist das für grüner Belag?“
Alle setzen sich an den Tisch und beginnen laut schmatzend das nachmittags tägliche Frühstück zu genießen.
„Ist dir eigentlich wieder eingefallen, was so unglaublich war?“
„Hmmpf. Was? Ähm.“
„Na du wolltest uns doch erzählen, warum der vom Bauteam hier war.“
„Ach ja. Der meinte, draußen stehe die Lügenpresse und behauptet, dass Peter im Knast sitzen würde.“
Lautes Gelächter ertönt und nachdem jeder einmal laut „LÜGENPRESSE!“ gerufen hat, stellte Marco plötzlich fest.
„Aber hat jemand heute schon den Peter gesehen?“
„Nö“
„Ich noch nicht. Bin aber auch gerade erst aufgestanden.“
„Sollten wir ihn vielleicht mal anrufen und ihm mitteilen, dass er verhaftet wurde?“
„Ja kannst du machen. Aber erstmal frühstücken wir. Der grüne Aufstrich ist wirklich verdammt lecker.“

Dank an beamtendoof für die Vertonung der Geschichte.

Advertisements

3 Gedanken zu “Die Verhaftung des Königs

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s