Auf den Spuren des Königs – Ein Astralreisebericht

Es ist durchaus von Vorteil, wenn man intergalaktische Freunde hat. Es gibt ja Dinge zwischen Himmel und Erde, die könnt ihr euch gar nicht vorstellen. Schon mal was von Astralreisen gehört? Lord Stultissimus unterwies mich höchstpersönlich in dieser Kunst. Was soll ich sagen, ich bin echt gut darin und es macht verdammt viel Spaß. Du kannst die außergewöhnlichsten Orte besuchen, in die Vergangenheit und Zukunft reisen, wichtigen Leuten quasi unauffällig auf die Finger schauen und alles ohne sich auch nur einen Zentimeter zu bewegen. Zumindest körperlich. Ich habe mir bereits so viel angeschaut und war schon zu Gast bei den großen Königen, also dachte ich mir, besuche ich doch auch mal die kleinen Könige bzw. die, die sich für solche halten. So verließ ich meinen Körper und begab mich auf eine Reise in ein kleines Königreich bei Wittenberg. Ich musste mich beeilen und diese Gelegenheit noch nutzen, bevor für den obersten souveränen König und seine sieben treuen Zwerge das Licht im Krankenhaus ausgeht. Also dann, lasst die Reise beginnen.

Erste Station – Altes Krankenhaus in Wittenberg

Peter saß an seinem Schreibtisch. Vor ihm liegt ein Bogen Papier und in seiner Hand hält er den königlichen Bleistift. Wie alles im Königreich, so ist auch dieser wertvolle Stift nur eine Überlassung und mit dem Namen des großzügigen Spenders gekennzeichnet. Ich erkenne es nur verschwommen. Aber es scheinen wohl 4 Buchstaben zu sein. I – K – E … mehr kann ich leider nicht lesen. Tief in Gedanken versunken und sich selbst laut diktierend, schreibt Peter Wort für Wort auf das Blatt.

“Das Wort Peters…Am Anfang schufen Wir Himmel und Erde…”

Plötzlich ertönte ein lautes Donnern und ein Blitz schlug unmittelbar neben dem Tisch ein. Erschrocken blickte Peter hoch und stotterte: “Ok, ok, das waren Wir nicht ganz allein. Da hatten Wir wohl etwas Hilfe.”

Ein erneuter Blitz zuckte aus dem Nichts hervor und brannte ein großes Loch in den Schreibtisch.

“Mann, du bist aber kleinlich. Also gut Papi, DU hast das Universum erschaffen, aber Wir haben geholfen.”

Vorsichtig schaute Peter nach oben. Er erwartete wohl gleich den nächsten Einschlag. Doch nur ein dumpfes Grollen war zu vernehmen und eine tiefe, hallende Stimme rief zornig:

“Ich bin nicht dein Vater. MEIN NAME IST NICHT HORST. In keiner Religion hat man mich jemals so genannt. Nie! Ja und was deine Hilfe angeht, dies war eher eine Art Inspiration. Komischerweise warst du ja schon damals dabei, als es sonst noch nichts gab. Keine Ahnung wo du hergekommen bist. Wahrscheinlich hat sich ttoG aus dem Spiegeluniversum einen üblen Scherz erlaubt. Aber damit du nicht ganz so deprimiert bist, ja die Idee aus Vakuumfluktuationen, ein Universum  aus dem Nichts zu schaffen, hatte ich von dir und zwar nachdem ich in deinen Kopf geschaut habe.”

“Siehst du, Wir waren schon damals sehr nützlich.”  

“Nun ja, eher anstrengend. Laut Multiuniversumserschaffungsverordnung hat man als Gott ja nur 6 Tage Zeit um eine ganze Welt zu basteln und muss am 7. Tag freinehmen. Also eigentlich genug Stress. Dein ständiges Reingerede bei den physikalischen Gesetzen war da nicht sehr hilfreich und auch nicht besonders sinnvoll.”

“Reingerede? Das waren Angebote! Deinen Gesetzen fehlte doch jeglicher Geltungsbereich und sie halten sich nicht an die Schöpfungsregeln. Meine Gesetze hatte ich in 5 Minuten erdacht und brauchte keine 6 Tage. Außerdem waren die viel cooler als deine.”

“Ja und was für tolle Gesetze. Wie war das noch? Alles sollte sich um dich drehen. Und was glaubst du, wer der Schöpfer ist und hier die Regeln aufstellt?”

“Ok, das bist du.”

“Oh, heute so einsichtig?”

“Du schießt ja sonst wieder mit Blitzen.”

“Tja, da kannst du mal sehen, wer cooler von uns beiden ist.”

Das fand ich interessant. Sollte es Peter tatsächlich schon immer gegeben haben? Von Beginn an? Unglaublich. Das schreit förmlich nach weiterer Recherche und so begab ich mich mittels meiner mentalen interdimensionalen Fähigkeiten erneut auf Reisen, diesmal in die Vergangenheit und zwar weit in die Vergangenheit. Nach einer turbulenten Fahrt gegen den Zeitstrom und einem fast Zusammenstoß mit so einer komischen blauen Notrufzelle, landetet ich im Garten Eden.

Zweite Station – Der Garten Eden

“ADAM! AAAADAM!”

“Was ist denn los Eva. Ich wollte noch etwas rausgehen.”

“Rausgehen? Wo raus denn? Wir sind doch den ganzen Tag draußen.”

“Du weißt schon. Nur ein wenig die Beine vertreten. Mal schauen, was die Affen so machen.”

“Die Affen also. Ich sage dir es immer wieder, King Peter und seine Affenbande sind kein guter Umgang für dich. Die  hängen den ganzen Tag bloß faul herum.”

“Das stimmt nicht. Einmal im Monat sind die richtig fleißig. Da kommen noch fünf Affen aus dem Nachbarwald und gemeinsam werden die Blätter der oberen Baumkronen gesäubert.”

“Genau, das ist dann immer der Tag, wo der Peter rein zufällig nicht da ist.”

“Der hat eben viel zu tun. Gründet ja gerade den Neugarten Eden.”

“Oh ja, da haben ja förmlich alle darauf gewartet. Und wo gründet er den?”

“Hier im alten Garten. Also da wo die Affen hausen.”

“Also da, wo es so komisch riecht?”

“Genau da. Der etwas strenge Geruch liegt daran, dass die Affen ihr Revier, also ihr souveränes Gartengebiet markiert haben. Sonst würde es ja keiner merken, dass es der Neugarten ist. Sieht ja aus wie der alte Garten, nur unordentlicher.”

“Adam, ich will dich ja in deinem Eifer nicht zügeln, aber nur mal eine Frage. Wozu brauchen wir eigentlich den neuen Garten?”

“Frag Peter! Du hast Glück. Heute gibt er ein Seminar. Kostet dich nur lächerliche 38 Bananen in Euronorm. Nimm aber noch 7 Kokosnüsse mit. Der Stempelaffe am Eingang lässt dich sonst nicht rein.”

Eva sah nicht begeistert aus, aber ließ sich von Adam überreden und beide machten sich auf den Weg in den Neugarten Eden. Ich folge Ihnen. Die Affen saßen alle im Kreis in dessen Mitte tatsächlich und wahrhaftig der Peter stand. Eva setzte sich in die erste Reihe und Adam nahm neben ihr Platz. Als nach der Begrüßung die Fragerunde startete, meldete sich Eva. Alle sahen sie erschrocken an, denn eigentlich waren die Frageberechtigten vorher bereits ausgewählt und hatten ihre Fragen bereits von Peter persönlich erhalten und auswendig gelernt. Das waren dann solch tiefgründigen Fragen, wie “Sag mal Peter, wie machst du das nur, dass du immer so glänzendes Haar hast?”. Doch Eva störte das nicht und so stellte sie ihm ohne Rücksicht aufs Protokoll ihre erste Frage.

“Peter, wozu brauchen wir denn eigentlich den Neugarten Eden?”

Peter, etwas erleichtert über die Allgemeinheit der Frage, setzte sein markantes Grinsen auf und fing an zu erzählen.

“Der Garten Eden ist kein echter Garten. Ihm fehlt es an Souveränität. Er ist doch komplett abhängig von Gott und die Lebewesen sind nur seine Sklaven und müssen tun, was er will.”

“Ja gut. Er ist nun mal der Schöpfer und sagt wo es lang geht. Aber uns geht es doch gut. Wir dürfen den ganzen Tag machen, was wir wollen. Gott hab ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen.  An was für Vorschriften müssen wir uns denn schon halten? Na ja außer an deine. Früher brauchte man keine 7 Kokosnüsse um den Wald zu betreten.”

“Ja Eva, du erkennst es noch nicht, weil es dir noch viel zu gut geht. Wenn ich erst dafür gesorgt habe, dass es allen schlechter geht, dann wirst du dich an meine Worte erinnern.”

“Warum sollte es uns denn schlechter gehen? Wir haben jede Menge zu essen, bleiben immer jung und gesund.”

“Und was ist mit der verbotenen Frucht, dem Apfelbaum da drüben? Warum darf davon niemand essen?”

“Keine Ahnung. Gibt ja jede Menge andere Leckereien. Vielleicht mag Gott den Baum ja so. Das ist aber auch die einzige Frucht, die verboten ist.”

“Verboten, verboten. Gott kann Uns gar nichts verbieten. Wir kennen die göttlichen Gesetze und Regeln besser als er selbst und wissen deshalb, dass jeder von der Frucht kosten sollte.”

“Ach und du denkst, Gott lässt sich das einfach so gefallen, wenn ich jetzt in den Apfel beiße?”

“Natürlich kannst du den Apfel essen. Das machen bereits jetzt schon immer mehr. Gott kann dir da gar nichts und das weiß er auch. Schlicht und einfach: Weil es legal ist.”

“Ok, dann beiß ich jetzt in diesen Apfel und warte, was passiert.”

Eva nicht, will ich schreien. Doch leider ist man als Astralreisender nur stiller Beobachter und für alle anderen unsichtbar. Sie macht es tatsächlich und beißt genussvoll in den Apfel. Adam steht mit weit geöffneten Augen neben ihr.

“Lecker. Hier Adam probier mal!”

Und auch Adam kostet von der verbotenen Frucht. Peter steht daneben und schaut ängstlich nach oben. Plötzlich donnerte es laut. Ein Sturm setzte ein. Die Affen liefen wie wild im Kreis und Peter versuchte sich unter einer alten Wurzel zu verstecken. Da erschien Gott. Der sieht ziemlich wütend aus.

“EVA! Hab ich dir nicht tausendmal gesagt, dass du niemals von der verbotenen Frucht kosten darfst.“

Plötzlich erblickte Gott Peter, der immer noch versuchte sich unter der alten Wurzel zu verstecken.

“War ja klar, dass du damit zu tun hast, Peter. Sieh mich gefälligst an, wenn ich mit dir rede!”

Peter gab den Versuch auf und ließ die Wurzel Wurzel sein. Ängstlich blickte er zu Gott und fing an zu nuscheln.

“Papi, Wir können wirklich nichts dafür. Ständig sagen Wir allen, der Apfelbaum ist tabu. Da dürft ihr nicht ran. Aber Wir können ja nicht immer da sein und aufpassen. Da schauen Wir einmal weg und schon handelt die Eva eigenmächtig und kostet von der leck… ähm verbotenen Frucht. Ja und der Adam hat auch gekostet. Falls du es nicht gesehen hast.”

“Adam und Eva, ich bin schwer enttäuscht von euch. Was soll ich nur mit euch machen. Ich werde mich zurückziehen und nachdenken. Sobald mir eine gerechte Strafe eingefallen ist, komme ich zurück. Geht und schämet euch.”

Da verließ Gott kopfschüttelnd den Garten Eden. Alle standen sprachlos da. Peter war der erste, der seine Stimme wiedergefunden hat. Jetzt, wo Gott außer Sichtweite war, zeigte er sich plötzlich wieder voller Selbstbewusstsein, richtete sein Haupt auf und fing an zu sprechen.

“Adam und Eva. Wir können Uns da nur den Worten Unseres Vaters anschließen und müssen schon sagen, Wir sind ebenso schwer enttäuscht von euch.”

“Ja aber du hast doch gesagt, es wäre legal und wir dürften das”

“Eva, Eva, Eva. Willst du Uns etwa die Welt erklären. Wir sind dir intellektuell millionenfach überlegen. Wir könnten es dir erklären, aber du würdest es sowieso nicht verstehen. Nur so viel, Wir machen im Prinzip nur Angebote. Die Adams und Evas entscheiden selbst, ob sie diese annehmen oder nicht. Somit sind Wir niemals Schuld, sondern immer nur die Adams und Evas. Klar?”

Super, der Peter war nicht nur schon immer da, sondern auch schon immer so ein schmieriger Typ ohne jegliches Verantwortungsbewusstsein. Die arme Eva und der arme Adam stehen völlig benommen da und wissen gar nicht so recht, was ihnen geschehen ist. Doch Peter ist wieder voll in seinem Element und redet sich zum Höhepunkt.

“Ihr werdet es alle nicht bemerkt haben, wie auch, ihr seid ja im Vergleich zu Uns alle ziemlich dumm, aber Unser Vater höchstpersönlich hat Uns, als er ging, ein Zeichen gegeben und die Gerichtsbarkeit über Adam und Eva an Uns übergeben. Wir rufen das Gemeinschaftsschutzgericht ein, erheben die Anklage und eröffnen und leiten die Verhandlung an dessen Ende Wir das Urteil fällen und verkünden. Erhebt euch, Wir, der oberste Richter des Neugarten Eden, treten ein.”

Und da begann die Verhandlung, in der eigentlich niemand außer Peter zu Wort kam und in der es im Großen und Ganzen nur darum ging, wie toll Peter doch ist und das er bei der letzten Gartenolympiade die Schildkröten im Sprint geschlagen hat. Stolz präsentiert er seine Urkunde. Er hat auch den Vögeln das Fliegen beigebracht  und selbst die Vögel, welche schon seit Ewigkeiten diese Kunst beherrschten, hätten  zu ihm gesagt, dass sie in der kurzen Zeit bei ihm viel mehr gelernt haben, als die vielen Jahre zuvor. Es ist die übliche Selbstbeweihräucherung an deren Ende plötzlich und ohne Vorwarnung die Verkündung des Urteils gegen Adam und Eva folgte.

“Somit verurteilen Wir euch, Kraft der Uns selbst gegebenen Rechte und verbannen euch auf ewig aus dem Garten Eden. Ihr werdet in die Welt da draußen gehen und alt und runzlig werden bis ihr irgendwann sterbt. Wahlweise könnt ihr euch auch für eine Therapiesitzung bei Uns entscheiden. Mindestens einmal innerhalb von drei Monaten trefft ihr euch allein mit Uns. Wir werden euch von Unseren glorreichen Taten im Dienste der Bewohner des Neugarten Eden berichten. Ihr habt 5 Stunden Zeit, euch zu entscheiden.”

Was für eine schwierige Entscheidung und nur 5 Stunden dürfen beide darüber nachdenken. Oh, was? Sie haben sich ja schon nach 5 Sekunden entschieden und rufen gleichzeitig:

“Wir gehen!”

Fortsetzung folgt… hier!

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11 Gedanken zu “Auf den Spuren des Königs – Ein Astralreisebericht

  1. Moment mal, das ist doch eine Fake!
    Wo sind die Interdimensionalen? Kommen die später?

    Ich gehe jetzt mal auf Astralreise, und schaue Dir über die Schulter, beim schreiben Deiner Texte

    Grüße von der hellen Seite!

    • Ich hab doch ein interdimensionales Schutzfeld um mich herum ersponnen. Auf weniger als 2 km kommst du astralmäßig nicht an mich ran. 😉

    • Werter Deppenfänger, die Kritik, Wilkis amüsante Schilderungen mangele es an Authentizität, kann ich nicht nachvollziehen.
      Ich habe mir zwar die Garten-Eden-Eskapaden nur so nebenher gechannelt, das Light-Bowl-Finale auf Promixa 7 war deutlich attraktiver… trotzdem scheint mir das Wirken und Vergehen jenes „Peters“ korrekt dargestellt. Unfug anstellen, Unbeteiligten dafür die Schuld geben, sich mit fremden Federn schmücken, unverständliche Dinge von sich geben – und dies in Endlosschleife. Nicht zu vergessen, in der Metaebene: Die ewige Suche nach einem Ausweg aus dem braunen Sumpf.

      Auf die Fortsetzung bin ich jedenfalls schon sehr gespannt.

      • Ich muss zugeben die Kritik war vielleicht etwas harsch formuliert und ich will mich nicht rausreden, aber zum Light-Bowl-Finale leere ich aus religiösen Gründen immer einige Becher ‘IW Hlq. Das führt dann immer zu einer Schwächung meiner Aura, und die ausgesprochen unangenehmen Schwingungen der Interdimensionalen können ungefiltert mein Hirn erreichen.
        Wie gesagt, sehr unangenehm!

        Man muss sich das in etwa so Vorstellen:

        Wenn die Vergiftungserscheinungen abgeklungen sind werde ich mich wieder meiner Forschungsarbeit widmen.

  2. Pingback: Auf den Spuren des Königs – Ein Astralreisebericht Teil 2 | {Wilkis Blog}

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